Tag Archiv: BPMN

BPM everywhere und Case Management auf der #BPMCon2014

7. Oktober 2014 von

Auf der diesjährigen BPMCon 2014 ging es um den praktischen Einsatz von BPM in allen Lebenslagen unter dem Motto “BPM everywhere”. Hierzu gab es zahlreiche interessante Erfahrungsberichte von Kunden.

Ein besonderes Augenmerk richtete Bernd Rücker auf das Thema Case Management (mit und ohne adaptiv) und die CMMN (Case Management Model and Notation), die in der Version 1.0 im Mai 2014 von der OMG verabschiedet wurde. Auch diskutierte er, was bereits heute mit den “Bordmitteln” von BPMN möglich ist – nämlich eine ganze Menge. Prinzipiell unterschied er 2 Szenarien, die es immer zu Bedenken gibt:

  1. Hier arbeiten Knowledge Worker >> es ist wirklich ein Thema für Case Management
  2. Es mangelt an Disziplin >> hier muss der Prozess strukturiert und die Beteiligten besser koordiniert und eingebunden werden

Im ersten Fall kann dann ein Case (Prozesse, Task, Dokumente, Daten, …) entweder mittels CMMN modelliert werden. Inwieweit dieser Case dann ausführbar im Sinne einer Engine ist, wurde leider nicht ganz klar, bzw. ist wohl in einem Alpha Status. Alternativ kann man mit den vorhandenen BPMN-Mitteln versuchen den Case als Teilprozess auszulagern bzw. ein “Underwriting” zu betreiben. Eine Herausforderung bleibt dann die Gestaltung der Taskliste und des BPM Cockpits, hier müssen alle relevanten Daten und möglichen Aktionen ersichtlich sein. Zusätzlich muss definiert sein welche Task optional/verpflichtend sind und ob es eine bestimmte Reihenfolge gibt.

Dies alles ist aber laut Bernd Rücker noch nicht adaptiv, obwohl das einige Hersteller gerne behaupten. Die nachfolgende Tabelle zeigt die unterschiedliche Sichten und Grade von Adaptivität:

Grad der Adaptivität Systeme & Sprachen Beispiele
Adaptiv Ontologien, Semantische Modelle Veränderungen on-the-fly, selbstlernend und selbstanpassend
Anleitend „Social BPM“ Navigation, Amazon Vorschläge
Dynamisch BPMN, CMMN, Adhoc-Tasks Definierte Anzahl Aktivitäten, Flexibilität in der Auswahl
Statisch BPMN, Workflow Engines Statischer Fluss der Aktivitäten
Quelle: camunda auf der BPMCon 2014

Bei der Provinzial NordWest wird unter dem Motto “BPM, Aktivitätenmanagement und Cobol-Batch” die – aus meiner Sicht – eigentliche Stärke von camunda BPM voll ausgeschöpft. Hier wird die BPM Engine von camunda in die vorhandene Anwendungslandschaft integriert, so können die bereits vorhandenen IT-Systeme und Technologien weiter benutzt werden und nur die wirklich (für den jeweiligen Kontext) nützlichen Teile des camunda BPM Frameworks werden verwendet. Im konkreten Fall ist für die Oberflächenentwicklung ein eigenes Framework im Einsatz, für die Modellierung Signavio, für das Monitoring ein internes Data Warehouse, bei den Business Rules wird ein Produkt aus dem Hause Bosch SI eingesetzt und sogar Siebel für die Worklist wird integriert. Diese Offenheit und lose Koppelung ist meines Erachtens ein immenser Vorteil bei Integrationsprojekten und zur Demonstration eines schnellen Quick-Win-Projektes.

Darauf ging auch Jakob Freund in seinem Eröffnungsvortrag etwas näher ein. Er nannte dieses Alleinstellungsmerkmal von camunda “BPM as embeddable Technology“. Dies sei auch einer der Gründe warum zahlreiche Kunden von ihrem bereits existierenden Tool auf camunda migrieren. Eine weitere und unserer Erfahrung nach wichtige Fähigkeit ist das “Polyglotte BPM“. Hierunter wird die Möglichkeit verstanden, unterschiedlichste Datenformate (XML, JSON, CSV oder
EDIFACT, …) und Sprachen (Java, Javascript, Groovy, JRuby, Jython, etc.) zu nutzen. Die unten stehen Grafik zeigt ein mögliches Zusammenspiel unterschiedlichster Hersteller-Tools exemplarisch:

Provinzial BPM

 Quelle: Vortrag - Camunda BPM bei der Provinzial NordWest, BPMCon 2014

Auch aus dem camunda Labor gab es einige interessante Neuigkeiten zu hören, die hoffentlich bald in einem Release zu sehen sind. Im Detail waren dies eine überarbeitete Taskliste (bereits in der Version 7.2 enthalten) und das Projekt bpmn.io (einen Online BPMN Modeller). In näherer Zukunft sollen dann auch das Cockpit mit einer Art Plug-In-Store versehen werden, damit es möglich ist, wie aus eclipse bekannte einfach Anwendungen und Sichten dazuzufügen. Ebenfalls ein interessanter Ansatz war die Workbench, die es ermöglichen soll “on-the-fly” Prozesse mit Variablen zu debuggen und zu ändern.

Eine Randnotiz sei mir erlaubt: Der sogenannte “Crowd-O-Mat” von der Firma holisticon erweckt einiges Aufsehen (siehe Bild unten). Hier wird an einem einfachen Beispiel (Betreuung und

holisticonAlarmierung eines Kunden an einem Messestand) gezeigt, das auch im Internet der Dinge (IoT) Geschäftsprozesse relevant sind. Hierzu können wir nur zustimmen, da auch bei logicline die Verknüpfung der (smarten) Dinge mit wertschöpfenden Prozessen ein wichtiges Thema sind, siehe hierzu auch >> m2m-iot-auf-der-salesforce-platform-connect-your-products/

Quelle: Stand holisticon auf der BPMCon2014

Weitere interessante Vorträge, auch wenn diese etwas versicherungslastig waren, betrachteten unter anderem “DevOps meets BPM“, “The Zero-Code BPM Myth” und “Automation und Cloud-Orchestration“. Diese können bald unter http://www.bpmcon.de/bpmcon2014.html als Video Aufzeichnung angesehen werden. Auch auf twitter mit dem Hashtag #bpmcon ging es heiß her.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr und hoffen bis dahin weitere spannende BPM-Projekte zu haben.
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Bei weitergehenden Fragen oder Wünschen zum Thema BPM und Case Management können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Eine E-Mail an info@logicline.de genügt!




Nachdenklicher Rückblick auf den Process Solutions Day 2014 der #gfo #bpm

16. Juni 2014 von

Einen gemischten Eindruck hinterließ der Process Solutions Day 2014 der gfo (Gesellschaft für Organisation) am 13. und 14. Mai in Köln, der laut Veranstalter größten Tagung für BPM-Softwarelösungen im deutschsprachigen Raum. Am ersten der auf zwei Tage angelegten Veranstaltung standen BPM-Tools diverser Hersteller (Signavio, MID, Scheer oder Prologics um nur einige zu nennen) im Vordergrund. Diese als Workshops “getarnten” Produktvorstellungen boten einen interessanten ersten Eindruck, was momentan auf dem Markt für Prozessdokumentation und -analyse en vogue ist. Der Tag endete mit der Verleihung des diesjährigen Process Solutions Award.

Am zweiten Tag standen die Anwender im Vordergrund und es waren zahlreiche Praxisberichte in zwei Tracks zu hören. Interessant war hier der durchgängige Fokus auf die Prozessanalyse, -dokumentation und -steuerung. Wobei unter Prozesssteuerung nicht die Kontrolle der Ausführung eines Prozesses im Sinne eines automatisierten Monitorings gemeint war, sondern eher die Transparenz und eine Möglichkeit zum Vergleichen der Soll- und Ist-Werte. Besonders deutlich wurde dies auch im Vortrag von Frank Hohmann (Frankfurter Sparkasse), hier werden die Kennzahlen wie Durchlaufzeiten teilweise manuell erhoben, bzw. von verschiedensten Stellen beigesteuert. Dies könnte mit einem einheitlichen Monitoring-Modell, definierten Schnittstellen und einem dezidierten Event-Handling deutlich vereinfacht werden (siehe auch hier >> BPM Monitoring as a Service). Dann wäre auch eine Vergleichbarkeit im Sinne eines Benchmarking möglich, wobei die sensiblen Daten auch Sparkassen-intern gehostet werden könnten.

In den meisten Vorträgen wurden die Vorteile der reinen Prozessanalyse und -dokumentation hervorgehoben, dabei teilweise ohne den Nutzen einer Standardisierung mittels BPMN zu betrachten. Auch waren die eingesetzten Tools teilweise proprietär. Dies war für uns befremdlich, da wir gewohnt sind stets weiter voraus in Richtung Ausführung, Übertragbarkeit, Automatisierung und Integration von Geschäftsprozessen in bestehende IT-Landschaften zu denken. Hier sind die wirklichen Potenziale von BPM zu finden, sei es in der Kosteneinsparung, der Transparenz oder der Erfüllung von rechtlichen Regularien. Einzig Bernd Hagemann von der comdirect bank AG ging auf diese Punkte in seinem sehr unterhaltsamen Vortrag “Marktführer trotz Prozessmanagement? näher ein. Hier wurde anschaulich dargestellt, welche Gründe es für die Einführung von BPM gab:

  1. Rechtliche / regulatorische Anforderungen >> harte Anforderung
  2. Dokumentation, Anleitungen für neue Mitarbeiter (Arbeitsanweisungen) und Transparenz
  3. Prozessoptimierung >> Automatisierung, Monitoring und ständige Verbesserung (mind. alle 18 Monate durch den Prozessowner)

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Quelle: comdirect bank AG - schematische Darstellung eines „Prozesslebenszyklus“

Zusammenfassend war die Veranstaltung trotz der teilweise hochkarätigen Aussteller und berichtenden Unternehmen eine kleine Enttäuschung. In unserem Verständnis von Prozessen spielt die Integration und die Standardisierung bzw. Offenheit mittels BPMN eine viel größere Rolle, wir betrachten die reine Prozessdokumentation (als “Wandtapete“) als ersten Schritt auf einem Weg Richtung Prozess-/Kundenorientierung des gesamten Unternehmens.

Auch waren Themen wie IoT (Internet der Dinge) oder Cloud bestenfalls als Randthemen vertreten. Dies mag zum Einen an der Ausrichtung der Veranstaltung gelegen haben, zum anderen stellt sich die Frage, ob diese Themen bereits in der Unternehmenswirklichkeit angekommen sind?! Wir denken ja! Allerdings ist hier noch viel Erklärungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Hier müssen sicherlich Vorteile und Nutzen noch besser dargestellt werden (siehe auch hier >> BPM für das Internet der Dinge), die konsequente Umsetzung kann durchaus zu einer spürbaren Veränderung des Unternehmens führen. Es können – eine gewisse Offenheit und Vertrauen der Partner und Systeme vorausgesetzt – durch die Vernetzung von eigentlich “simplen Dingen” völlig neue Produkte, Geschäftsmodelle oder Ökosysteme entstehen.

Sich immer wieder selbstkritisch zu hinterfragen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, v.a. in dieser sich schnell wandelnden IT-Zeit mit ihren vielen Begrifflichkeiten und wechselnden Hypes. Daher sollten wir uns Fragen wie diese stellen: Sind unsere Ansätze zu technologisch, zu modern, zu weit weg vom Kunden? Ich denke nein!

Müssen wir uns mehr auf den Kunden, seine Probleme und Gegebenheit vor Ort fokussieren, ihm die Lösungen, die Nutzen-Kosten-Relation und die Möglichkeiten unabhängig vom konkreten Tool besser erklären? Ich denke ja!! Daher sollten wir weg kommen von einer rein technologischen Betrachtung der Features eines Tools, hin zur Problemlösung des Kunden …

Seit letzter Woche stehen nun auch die Vorträge und eine kleine Nachlese zum Download zur Verfügung. Bei weitergehenden Fragen oder Anregungen zum Thema Prozesse können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Eine E-Mail an info@logicline.de genügt!




Marktübersicht: #BPM Toolmarktmonitor 2014

24. Mai 2014 von

Der kürzlich erschienene BPM Toolmarktmonitor 2014 der BPM&O GmbH bietet eine gute Übersicht über den aktuellen Stand der am Markt befindlichen BPM-Tools zu Analyse und Design von Geschäftsprozessen. Ein wichtiger Aspekt bei der Einführung einer BPM-Lösung oder der Analyse der bestehende Geschäftsprozesse ist es, ein geeignetes Tool zu finden. Hierfür bietet sich der BPM Toolmarktmonitor als Einstieg in den Auswahlprozess an.

BPM Toolmarktmonitor 2014

Im Toolmarktmonitor beobachtet die BPM&O über 140 Softwareanbieter, die BPM-Produkte anbieten. In der aktuellen Marktstudie 2014 (mit 22 ausgewählten Tools) wird der Fokus auf Design und die Analyse von Geschäftsprozessen gelegt. Es werden aber neben den rein funktionalen Aspekten und Besonderheiten der angebotenen Tools auch nicht-funktionale Gesichtspunkte und die Kosten pro Benutzer erörtert.

Teilnehmende Firmen waren: BOC, DHC, Fichtner.at, GBTEC, IBM, ibo, iGrafx, Intellior, Intellivate, ITP Commerce, MEGA, MID, Ploetz+Zeller, PROLOGICS, QPR Software, Semtation, Signavio, Software AG, SSA SoftSolutions, sycat und Vicon. Leider kein OpenText Cordys, camunda oder inspire, aber diese BPM-Suiten haben auch andere Stärken.

 

Es wurden bei der Bewertung der Tools folgende 8 Kriterien angelegt:

  1. Modellierung
  2. Portal
  3. Reporting
  4. Collaboration
  5. Process Lifecycle Management
  6. Repository
  7. Simulation
  8. Controlling / Monitoring

Auf die Prozessautomatisierung oder die Integration in die bestehende IT-Landschaft, bzw. die Enterprise Application Integration (EAI) wurde kein Augenmerk gelegt. Dabei können hier die wirklichen Kostentreiber oder Knackpunkte bei der Umsetzung liegen. Daher habe auch nicht alle besprochenen Tools eine vollwertige BPM-Engine in petto. Dies würde dann im Umkehrschluss aber bedeuten, dass eine Automatisierung der dokumentierten Geschäftsprozesse nicht ohne ein weiteres Tool über einen Export/Import der BPMN 2.0 möglich wäre. Dies muss bei der Tool-Auswahl ebenfalls bedacht werden.

Ein interessanter Aspekt ist die Simulation von Prozessen. Hier stellt die Studie fest: “Wer will, der kann. Nur ca. die Hälfte der Werkzeuge hat das Thema im Portfolio, wenn dann aber richtig. Bei der Simulation werden Prozessabläufe durchgespielt, um Parameter für die spätere Prozessausführung zu ermitteln, bspw. Mitarbeiterbedarfe.” Leider nutzen bisher nur wenige Unternehmen die Simulation von Prozessen, wobei die Zahl derer stetig ansteigt. Gerade hier zeigt sich auch der Nutzen von Big Data, bzw. etwas vereinfacht das konsequente Schreiben von Timestaps bei Prozessevents, so können Engpässe im Prozess, unnötige Schleifen und Deadlocks auf einfache und wirkungsvolle Art und Weise gefunden und grafisch dargestellt werden. Diese Funktionalitäten unterstützen aber leider nur wenige Tools und noch weniger die Möglichkeit die eigenen Daten zu importieren und dann darauf zu simulieren. Hier gibt es einen weiteren interessanter Ansatz der vollständig auf dem Import von Echtdaten beruht >> Fluxicon (siehe auch Blog-Artikel “Schürfen nach Prozessinformationen” zum Thema) << das Process Mining.

Der komplette BPM-Toolmarktmonitor kann hier (nach Registrierung) heruntergeladen werden. Sollten Sie Interesse an einer weitergehenden Beratung auch in Richtung Prozessautomatisierung oder einem individuellen Workshop zu den Möglichkeiten mit BPM haben … eine E-Mail info@logicline.de an genügt.




BPM: Prozesse und Qualität – Oxymoron oder schwerlich zu erreichender Idealzustand (4 von 4)

7. April 2014 von

Zur Ausgabe des VKSI Magazins ”Alles kontrolliert?” haben wir mit einer Kurzversion des Artikels“BPM: Prozesse und Qualität – Oxymoron oder schwerlich zu erreichender Idealzustand” beigetragen. Nachfolgend möchten wir in 4 Teilen die komplette Version in Form eines Whitepapers zur Verfügung stellen.

Im dritten Teil ging es um konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung und wie Geschäftskennzahlen und KPIs bereits bei Prozessbeschreibung definiert werden können. Weiterhin welchen Beitrag BPMN 2.0 bei der Definition von Messpunkten leisten kann und wie diese zur Laufzeit dargestellt werden können. Hier nun der abschließende vierte Teil.

Quality Gates im QM-BPM Zyklus

Durch die Realisierung eines Quality-Gate-Konzepts wird sichergestellt, dass nur bei Einhaltung von vorab eindeutig bestimmten Qualitätskriterien eine Freigabe für die nächste Projektphase erteilt wird. Auch bei der Prozessausführung können Quality Gates eingesetzt werden, hier darf der Prozess nur dann weiterlaufen, wenn die definierten Ergebnisse erreicht wurden. Inhaltlich ist ein Quality Gate in den meisten Fällen eine Checkliste, die es innerhalb des Quality Reviews abzuarbeiten gilt. Auch hier liegt die Schwierigkeit darin, geeignete Messpunkte für Quality Gates innerhalb des Prozesses zu definieren. Im QM-BPM Zyklus ist der Phasenübergang ein geeigneter Zeitpunkt. Für die konkrete Ausgestaltung eines Quality Gates im Prozessumfeld sind folgende Punkte wichtig:

  • die Aktivitäten, Anforderungen und Ergebnisse müssen definiert sein
  • das Ergebnis der Prüfung muss einfach darstellbar sein, z.B. als Ampel
  • die Anwendung von Methoden ist mit Richtlinien hinterlegt

Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass frühestmöglich Erkenntnisse über Abweichungen vorliegen und an kritischen Schnittstellen eine Fehlerweitergabe verhindert wird.

Summary

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es bei der Definition von Prozessqualität gewichtige Herausforderungen gibt. Zum einen ist es zu Beginn äußerst schwierig den klaren Idealzustand eines Prozesse zu definieren. Hier kann meist nur eine schrittweise Annäherung, im Sinne eines agilen Vorgehens, im Rahmen eines QM-BPM-Zyklus erfolgen. Daneben muss differenziert werden in die Ergebnis- und die Prozessqualität, sowie die Qualitätssicherung bei der Prozesserstellung und –weiterentwicklung.

Eine reine Orientierung am Ergebnis des Prozesses ist aus vielerlei Hinsicht nicht mehr zeitgemäß, daher definieren die meisten Unternehmen heute Kennzahlen und KPIs, die auch andere Aspekte wie Kundenzufriedenheit, Qualitätsaspekte und Prozess-SLAs als Teil einer Balanced Scorecard beinhalten.

Vor Beginn eines BPM-Projektes sollten die Verantwortlichkeiten klar geregelt sein: Wer ist der Prozesseigner, wer dokumentiert den Prozess, wer setzt ihn um? Wie und wohin werden Ergebnisse und Schwierigkeiten kommuniziert? Was sind die Freigabemechanismen / Quality Gates?

Bei der Prozessdokumentation an sich ist es wichtig, Konventionen, Pattern, Best Practices und fachliche Muster zu verwenden und diese auch breit im Unternehmen zu streuen. Weiterhin hilfreich ist die Nutzung einer Kombination von grafischer Modellierung (BPMN) bei Prozessmodellen und von Wikis. Durch den Einsatz von BPMN ist man auch weitgehend technologieunabhängig. Besonders wichtig – zwar häufig betont, dennoch meist ausbaufähig – ist die Kommunikation zwischen den Prozessbeteiligten, während der kompletten Laufzeit des Projektes und darüber hinaus. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch abteilungsübergreifend ein einheitliches Vorgehen gelebt wird und Prozesslücken, weiße Flecken, Brüche und unnötige Schleifen im Prozessablauf verringert werden.

Sollten die hier genannten Anregungen und Vorschläge auch manchmal etwas zu formalistisch klingen, so sind sie dennoch aus meiner Sicht heraus gerechtfertigt. Zu mindestens sollten man sich vor Projektbeginn darüber Gedanken machen und abwägen was für das konkrete Unternehmen notwendig, sinnvoll und umsetzbar ist. Dennoch ist es manchmal wichtiger pragmatisch an die Prozessumsetzung zu gehen, um rasche Erfolge vorweisen und erst einmal loslegen zu können. Allerdings ist es dann ein einem zweiten Schritt notwendig den Prozess zu formalisieren, damit rasch Skaleneffekte und eine steile Lernkurve eintreten können. Dafür eignet sich die Etablierung eines Process Competence Centers und damit die Konzentrierung der BPM-Kenntnisse. Denn man kann Prozesse nicht nicht managen 

Prozesse mit BPMN zu beschreiben ist einfach, einfach lesbare und qualitativ hochwertige Prozesse mit BPMN zu beschreiben ist eine Kunst für sich“ (camunda, 2012)

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Geschafft – dies war der vierte von vier Teilen in dieser Beitragsreihe!

Wir freuen uns über Ihre Fragen zum Thema BPM … eine E-Mail an info@logicline.de genügt.

 

 

Literaturverzeichnis
camunda. (2012). BPMCon 2012. Berlin.
David McCoy, G. (2005). Business Process Management: Preparing for the Process-Managed.
Dunn, R. H. (1990). Software quality: concepts and plan.
Fischer, S. (2012). logicline - BPM | SOA | Cloud. Von http://www.logicline.de/home.html abgerufen
IBM. (2012). IBM - BPM Software. Von http://www-03.ibm.com/software/products/de/de/category/bpm-software abgerufen
ISO. (2005). Norm EN ISO 9000:2005.
Kneuper, R. (2011). Was ist eigentlich Prozessqualität? Lecture Notes in Informatics, Band P192.
Lenz Consulting. (kein Datum). Lenz Consulting - Excellente Prozesse gestalten. Von http://www.lenz-consult.com/ abgerufen
Prof. Ayelt Komus, F. K. (2012). Qualität im Geschäftsprozess-Management - Internationale Studie "Experten-Befragung". Von http://www.hs-koblenz.de/www-Q-in-BPM-info.4232.0.html abgerufen
Wikipedia. (2013). http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite. Von Wikipedia. abgerufen

Autoren:
Sven Fischer, Managing Consultant BPM bei der logicline GmbH
Edgar Schüber, Managing Director bei der logicline GmbH

 




Retrospektive der BPM Integration Days 2014

21. März 2014 von

Auf den diesjährigen BPM & Integration Days in München gab es am ersten Tag zahlreiche spannende Vorträge – von der “Schuldenfalle der IT” über “Testgetriebene Geschäftsprozessmodellierung” und “IoT mit BPM und SOA” bis hin zu “Technisch lauffähige BPMN” und “Adaptive Case Management (ACM)” wurde der Bogen gespannt. Am zweiten Tag stand dann alles im Zeichen der praktischen Umsetzung und Diskussionen im Workshop-Format. Die folgende Retrospektive zeigt aus unserer Sicht interessante Trends und Themen für 2014 im BPM-Kosmos.

In der Keynote von Dirk Slama (Bosch SI) ging es um die neu gegründete BPM Alliance, die sich zum Ziel gesetzt hat ihre BPM-Methodik als offenen Standard zu etablieren. Diese integrierte BPM-Projektmethodik (IBPM) soll dazu dienen, BPM-Projekte klar strukturiert und mit einheitlichem Vorgehen unter Anwendung von Best Practices durchzuführen. Zusammen mit dem EPBM-Framework (Enterprise BPM-Framework) ist so eine durchgängige Methodik im Bereich Prozessmanagement verfügbar.

In der Session testgetriebene Geschäftsprozessmodellierung (Holisticon AG) wurde eine Möglichkeit vorgestellt Prozesse zu testen. Dies ist auch automatisiert im Rahmen eines Continuous Delivery möglich. Die Notwendigkeit Prozesse zu testen, im Idealfall End-2-End, kann nicht bestritten werden. Interessant sind vielmehr die Probleme, die sich daraus ableiten lassen. Zum Einen ist ein Prozess keine “Unit” und kann somit auch nicht im Rahmen eines gewöhnlichen Unit-Test im eigentlichen Sinne getestet werden. Ein Prozess lässt sich vielmehr als “Behaviour” von unterschiedlichen fachlichen Zuständen beschreiben. Dieses Zustände zu Testen erfordert ein komplexes (sprich nahezu fertiges) System mit seinen angebundenen externen Umsystemen. Da dies aber nur zu einen späten Zeitpunkt in der Softwareentwicklung zur Verfügung steht, ist die Fehlerbehebung sehr teuer!
Dies soll mit dem Ansatz des “In-Memory-Test” von BPMN 2.0 Geschäftsprozessdiagrammen mit Hilfe von Szenarien vermieden werden. Die Besonderheiten bestehen zum einem zum recht frühen Zeitpunkt des Tests (ähnlich eines Unit-Test), der Möglichkeit agil vorzugehen, der potentiellen Wiederverwendbarkeit der Test im Integrationstest und der natürlich-sprachlichen Beschreibung der Szenarien. Dies erfordert aber einen einzuplanenden Implementierungsaufwand für die Testerstellung. Ob sich dieses Konzept durchsetzen kann wird die Zeit zeigen, einen gewissen Charme hat es jedenfalls.

Interessantes und durchgängiges Thema auf den diesjährigen BPM & Integration Days war sicherlich das Internet of Things (IoT). Der Herausforderung, die enorme Datenmenge des IoT Herr zu werden, wurde im Vortrag von Opitz Consulting mit Event Processing und Rule Engines begegnet. Die Grundthese bestand darin, dass nicht alle “Dinge” unbedingt smart sein müssen, sonder es vielfach genügt einen einfachen Sensor zu implantieren, der seine Messwerte ungefiltert ins Netz sendet. Eine höhere Abstrahierungsebene muss dann entscheiden, welche Events, in welchem Zeitraum (man beachte dabei die Lambda-Architektur und Apache Storm als Event Processing Engine) als sinnvoll zu erachten sind. Hierbei muss die Abstrahierungsebene in der Lage sein in einem Stream intervall-basierte Messungen in Real-time durchzuführen und die Ergebnisse aggregiert zu versenden. Erst darauf basierend kann entschieden werden, ob das aggregierte Event relevant ist für einen und im Idealfall für welchen Geschäftsprozess. Der Geschäftsprozess selbst wiederum kann dann auch auf die historisierten Daten und den Live-Daten-Stream zugreifen und basierend darauf Analysen anstoßen, bzw. kann sich der Mitarbeiter Remote auf das jeweilige Gerät aufschalten, prüfen und dann gegebenenfalls neue Prozesse (Beschaffung Ersatzteile, Buchung Wartungstechniker, etc.) starten.

IoT_Big_Data_Analyse

Durch diese Kapselung können die vorhandenen IT-Systeme eingebunden werden und parallel dazu neue Anwendungen und Einstiegspunkte in den bisherige Prozess definiert werden, und damit im Endeffekt ein neuer Gesamtprozess orchestriert werden. Die Real-time Auswertungs- und Monitoringmöglichkeiten, die dieser Ansatz verspricht, haben durchaus Potential. Da der Wert einer Information immer zeitabhängiger wird und daher zukünftig sofort, in der richtigen Qualität und im richtigen Kontext zur Verfügung stehen muss, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Ob wir allerdings in naher Zukunft die Prozess Engine und eine App bemühen werden, um die Schreibtischlampe an- und auszuschalten (wie hier mit einem Raspberry Pi vorgeführt), bleibt vorerst abzuwarten.

IoT_Raspberry Pi

Eher kritischer ist da eher das Thema “Cloud Service Broker” (Oracle und Opitz Consulting) zu sehen. Hier wurde ein Ansatz präsentiert, mit dem man verschiedene Cloud Service Provider (hauptsächlich IaaS) quasi on-the-fly gegeneinander austauschen können soll. Wie praktikabel das Ganze wirklich ist, konnte die Diskussionsrunde leider nicht klären. Großes Problem ist außerdem, dass die großen Anbieter wie Amazon oder Salesforce dabei nicht mitspielen. Für kleinere Anbieter, die sich hier explizit zusammenschließen aber vielleicht eine Alternative, in den inzwischen aufgeteilten Markt vorzustoßen.

Spannend wurde es wieder beim Adaptive Case Management (wieder Opitz Consulting). Der Versuch, Geschäftsprozesse weiter zu flexibilisieren bringt für einige konkrete Anwendungsfälle (Beispiel aus dem Vortrag: Schadensregulierung bei Versicherungen) sicher einen großen Mehrwert. Hier wartet die BPM Gemeinde gespannt auf die “Hochzeit” zwischen BPMN und CMMN (Case Management Modelling & Notation), wodurch das Thema sicher weiter an Fahrt gewinnen wird.

Obwohl hier nur ein kleiner Rückblick gegeben werden konnte, war dies insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, die ohne zu Zögern weiter empfohlen werden kann. Beachtlich war vor allem die nahende Konvergenz von BPM und IoT, wobei aber bisher nur wenig abzusehen ist wohin sich dies entwickeln wird. Insbesondere welche Geschäftsmodelle sich daraus entwickeln lassen können oder müssen, um am Markt weiter bestehen zu können. Die Herausforderung wird sein diese Geschäftsmodelle rechtzeitig zu erkennen, mit BPM(N) umzusetzen, in die bestehende IT-System zu integrieren und neue Partnerschaften und Allianzen einzugehen. Somit werden Marktteilnehmer und Branchen miteinander vernetzt, die heute in keiner geschäftlichen Beziehung zueinander stehen. Daraus können, eine gewisse Offenheit der Partner und Systeme vorausgesetzt, völlig neue Produkte, Geschäftsmodelle oder Ökosysteme entstehen.

Autoren: Denny Hahn und Sven Fischer

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